Dachs
Kurz-Infos
Kennzeichen
- Länge: 70 bis 90 cm, hinzu kommen 11 bis 18 cm Schwanz
- Schulterhöhe: ca. 40 cm
- Körpergewicht: 7 bis 20 kg
- Haarkleid: silbrig graue Oberseite, schwarzbraune Unterseite
- Sonstiges: auffällige schwarz-weiße Gesichtsfärbung, keilförmiger Kopf mit Rüsselschnauze
Status
nicht gefährdet
Verbreitung

Lebensraum (Habitat) und Lebensweise
Der dämmerungsaktive Allesfresser bewohnt bevorzugt reich strukturierte hügelige Landschaften mit Misch- oder Laubwaldbestand und Hecken. Als ungeeignet bzw. nur bedingt geeignet erweisen sich Bruchwälder, Sümpfe, Moore und Biotope mit sandigen Böden, welche die Anlage eines Baues erschweren. Die Baue legt er bevorzugt in Waldrand- und Hanglagen an, da er den Wohnkessel gerne recht tief unter die Erde verlegt (ca. 5m).
Seine oft sehr umfangreichen Baue bewohnt er in Familienverbänden, die aus mehreren Generationen bestehen können. In der Regel besteht sie aus einem dominanten Männchen, einem dominanten Weibchen mehreren Generationen weiblicher Tiere und den Jungtieren beiderlei Geschlechts. Ältere Männchen werden vom dominanten Rüden nicht im Bau geduldet. Dachsbaue können über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte von einer Sippe bewohnt und dabei ständig ausgebaut werden. Die Unterscheidung zum Fuchsbau ist, abgesehen von den charakteristischen Spuren, dadurch einfach, dass der Dachs außerhalb des Baues kleine Vertiefungen anlegt, in die er seinen Kot absetzt (Dachsabtritte). Häufig werden die Baue jedoch sogar von Fuchs und Dachs gleichzeitig bewohnt. Der Dachs hält allerdings, im Gegensatz zum Fuchs, eine kurze Winterruhe, die er witterungsabhängig häufig unterbricht.
Seine Ernährung ist vielseitig, wobei er weniger Jäger als Sammler ist, was auch an den wenig ausgeprägten Fangzähnen deutlich wird. Abhängig von der Jahreszeit besteht seine Kost aus tierischen und pflanzlichen Anteilen. Die tierische Kost besteht überwiegend aus Regenwürmern, Insekten, Larven, sowie Mäusen. Größere Säugetiere werden nur als Aas aufgenommen. Vögel kann er nur als flugunfähige Nestlinge erbeuten und Eier der bodenbrütenden Arten spürt er mit seinem ausgezeichneten Geruchssinn zielsicher auf. Pflanzliche Kost spielt vor allem im Sommer und Herbst eine Rolle und besteht aus Feldfrüchten, Getreide, Beeren, Obst und Sämereien. In Jahren mit guter Eichelmast können diese einen beträchtlichen Anteil der Nahrungsaufnahme im Herbst ausmachen.
Die Paarungszeit findet im Juli und August statt und im Februar oder März wirft das Weibchen 1 bis 6, meistens aber 2 Junge, die noch ganz weiß und blind sind. Im Oktober, manchmal aber auch erst nach der Winterruhe, müssen die männlichen Nachkommen den Bau verlassen. Sie werden nun nicht mehr vom dominanten Männchen im Bau geduldet. Auch einige weibliche Jungtiere müssen den Bau verlassen und sich ein neues Revier suchen.
Wenn der Dachs nicht durch seinen einzigen in Deutschland vorhandenen Feind, den Menschen, umkommt, kann er 16 bis 18 Jahre alt werden. Die Bejagung findet meist durch Fallenjagd oder Ansitzjagd in der Nähe des Baues statt.
Vorkommen
Der Dachs ist in ganz Europa verbreitet. Nur im nördlich Skandinavien und in der Tundra ist er nicht zu finden. In den Alpen lebt er bis in 2000 Metern Höhe.
In Schleswig-Holstein zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle der Geheckdichten des Dachses. Während im Östlichen Hügelland und der Geest südlich des Nord-Ostsee-Kanals meist Dichten um 0,3 Gehecke je 100 ha zu finden sind, liegen diese nördlich des Kanals häufig deutlich niedriger. In der Marsch melden nur ausnahmsweise Reviere ein reproduzierendes Vorkommen von Dachsen, obwohl die Sichtungen und Erlegungen auch in diesem Naturraum zunehmen. Ebenfalls geringe Mutterbaudichten werden aus dem Altkreis Oldenburg gemeldet.
Die Verbreitungssituation spiegelt die Besiedelbarkeit der Landschaft durch den Dachs wider, denn durch seine enge Bindung an die Anlage von Bauen verhindern regelmäßig hohe Grundwasserstände eine dauerhafte Besiedlung der Marschen.
Die mittlere Anzahl von Welpen je Mutterbau liegt bei etwa 3,0 und unterscheidet sich nicht zwischen den Naturräumen. Zwar sind in Bauen, die bereits seit mehr als 10 Jahren Dachsfamilien beherbergen, etwas höhere Welpenzahlen zu beschreiben, jedoch ist der Unterschied zu jüngeren Dachsvorkommen nicht signifikant.
Populationsentwicklung
Nach einer Erfassung der Lebensräume in denen Mutterbaue liegen, lassen sich deutliche Unterschiede zwischen Baualter und Habitat ableiten. Während die besetzten Baue in Feldgehölzen und Wäldern meist 10 Jahre und älter sind, liegt das Durchschnittsalter von Bauen in Knicks oder im Offenland deutlich darunter. Daraus kann gefolgert werden, dass die Dachse in der jüngeren Vergangenheit zunehmend eine Neubesiedlung von halboffenen Landschaften realisieren konnten. Unter Hinzunahme der Jagdstreckenergebnisse der letzten Jahre, die sich in diesem Zeitraum ohne Erhöhung der Jagdintensität vervielfacht haben, ist davon auszugehen, dass Dachse derzeit eine deutlich positive Bestandsentwicklung verzeichnen können.
Durch eine Analyse wurde des Weiteren versucht, die auswertbaren Naturräume bezüglich der dort anzutreffenden Geheckdichte gegeneinander abzugrenzen. Es lassen sich die Naturraumeinheiten des Östlichen Hügellandes inklusive der Lauenburger Geest und des Hamburger Rings (Statistisches Landesamt) bei höheren Dichten deutlich gegen die übrigen Geestnaturräume abgrenzen. Die Unterschiede innerhalb dieser beiden zusammengefassten Raumeinheiten nehmen jedoch von 2001 zu 2006 ab, woraus gefolgert werden kann, dass die Zunahme der Dachspopulationen in Schleswig-Holstein bis heute anhält und vermehrt auch die Geestbereiche dichter besiedelt werden können.
Status
Die Dachse breiten sich anhaltend aus, allerdings scheinen in den bereits seit längerem besiedelten Gebieten mit etablierten Dachsvorkommen kaum weitere Populationsanstiege zu erfolgen. Die Bindung an das Vorhandensein von Bauen begrenzt hier einen weiteren Anstieg.
Literatur