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Wildschwein (Sus scrofa)

 

Lebensraum (Habitat) und Lebensweise

Das Wildschwein (Schwarzwild) ist zwar als Waldbewohner in ausgesprochen waldarmen Agrarregionen kaum verbreitet, hat sich jedoch als Kulturfolger bereits die Randgebiete der Großstädte und deren Parks als Lebensraum erobert. Das Wildschwein ist zum Teil bereits bis in die Kerngebiete der Städte vorgedrungen.
Es sucht seine Nahrung meist wühlend am Boden. Es werden Pflanzenteile, Früchte aller Art und tierische Nahrung, wie Insekten, Würmer, Mäuse usw. aufgenommen. Gelege von Bodenbrütern sowie abgelegte Jungtiere von Hirschartigen werden saisonal erbeutet. Aas wird zu jeder Jahreszeit gefressen. Wenn die Population so groß ist, dass der Wald, als seine eigentliche Heimat, es nur ungenügend ernährt, kann das Wildschwein erheblichen Schaden in landwirtschaftlichen Flächen anrichten.
Schwarzwild bildet feste Sozialstrukturen mit Verbänden aus weiblichen Tieren mit den Frischlingen beiden Geschlechts (Rotten). Männliche Tiere leben ab der Geschlechtsreife in der Regel einzelgängerisch und suchen die Rotten nur zur Fortpflanzungszeit (Rauschzeit) auf. Die Fortpflanzung erfolgt zu festen Jahreszeiten, meist im November oder Dezember. Die Rotten sind, relativ standorttreu, solange sie ausreichend Nahrung, Ruhe und Schutz finden und nicht übermäßigem Jagddruck ausweichen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Rotte in der Regel ein Revier von 1000-6000 Hektar bewohnt. Dabei ziehen sie auf Nahrungssuche in einem Gebiet umher, dessen Umkreis selten größer als 15km ist. Größere Ortswechsel werden in der Regel nur von alten Keilern und jungen Wildschweinen unternommen, die aus der Rotte verstoßen wurden und auf der Suche nach einem neuen Revier sind.
Außer dem Menschen, als Jäger oder in Form des Straßenverkehrs, hat das Wildschwein in Deutschland keine Feinde. Durch fehlerhafte Bejagung können die Rottenstrukturen zerstört werden, was eine unkontrollierte Fortpflanzung zur Folge hat. Die Bestandsentwicklung wird dadurch zusätzlich gefördert.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Wildschweins dehnt sich seit Jahren aus. Bis auf die Marschbereiche, den nördlichen Teil von Angeln und weite Teile der Eider-Treene-Sorge-Niederung erstreckt sich sein Areal in ganz Schleswig-Holstein. Ein Vergleich der Ergebnisse der Umfragen des WildTierKatasters aus den Jahren 2004/05 und dem Jahr 1998 zeigt die Dynamik der Ausbreitung des Wildschweins. Da mit einer weiteren Expansion dieser Art zu rechnen ist, wurde auf Basis beider Umfragen eine Interpretationskarte zur Verbreitung des Wildschweins in Schleswig-Holstein entwickelt (Schmüser 2005).

Populationsentwicklung

Die Populationsentwicklung ist sowohl aus dem Vergleich der WildTierKataster-Erhebungen als auch aus der Jagdstreckenstatistik als stark expandierend zu bezeichnen. Bei einer Reproduktionsleistung bis maximal 300 % können die Bestände bei extensiver Bejagung, günstigen klimatischen Bedingungen und guter Nahrungsverfügbarkeit exponentiell ansteigen. Die Nahrungsverfügbarkeit ist in den letzten Jahren, in Teilen auch bedingt durch den vermehrten Maisanbau und zahlreiche Mastjahre in Folge, als sehr gut zu bezeichnen. Der im Frühjahr 2006 sehr kalte und schneereiche März hat dagegen regional zu einer sehr hohen Sterberate bei Frischlingen geführt, was aber bis heute weitgehend ausgeglichen werden konnte.

Status

Die Bestände haben sich in den vergangenen Jahren bedeutend vergrößert und das Areal wurde deutlich erweitert. Ohne eine intensive Bejagung nach Richtlinien, welche die Populationsbiologie der Art berücksichtigen, wird es zu erheblichen Schäden in landwirtschaftlichen Flächen kommen. Des Weiteren haben hohe Wildschweinbestände einen negativen Einfluss auf am Boden brütende Arten.

Literatur

 

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